Baueinsatz am Hillside College 2010

Baueinsatz am Hillside College Februar/März 2010



Ein Bericht von Monika Wagner, Potsdam

Dankbar und zufrieden winkte uns Eleazzar, der Direktor vom Hillside College uns zum Abschied und gab der Hoffnung Ausdruck, dass wir doch bald wiederkommen möchten, denn es sind schon wieder neue Projekte in der Planung. Jeder von uns hat dem zugestimmt, dass, wenn es die Gesundheit erlaubt, nicht das letzter Mal gewesen sein sollte. Auch die beiden Frauen, die nicht in der Gemeinde waren, äußerten sich alle beide in Briefen, dass es Ihnen so gut gefallen hätte und sie von der guten Gemeinschaft nur Loblieder singen konnten.

Für die meisten von uns war es auch nicht das 1. Mal, die zum Hillside College fuhren. Der Verein Leuchtturm e.V. hat dort vor Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, dass sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut. Eine christliche Schule, in die Kinder 4 Jahre bis zur Hochschulreife gehen können. Im Moment sind es 318 Schüler und Schülerinnen und es sind noch mehr Anfragen. Wenn der Schulleiter auf die begrenzte Schlafraumkapazität hinweist, schlagen die Eltern vor, noch ein 4. Bett aufzustocken. Wir haben die beengten Schlafräume besichtigt. Jedes Kind hat nur ein Bett zur Verfügung, keinen Tisch und Stuhl und am Ende des Bettes oder in einem Regal, eine verschließbare Metallkiste, wo sie ihre Habseligkeiten aufbewahren. Vor 3 Jahren haben wir dort eine Kapelle gebaut, dort ist nun der einzige Platz, wo sie bei Regen sich aufhalten können oder Schularbeiten machen.

Wir waren 13 willige Einsatzhelfer und es sollte ein Gebäude erstellt werden, das 2 Zimmer hat und für naturwissenschaftliche Fächer genutzt werden soll. Es war schon ausgeschachtet und somit stand die Platzwahl fest. Es war in der Nähe der Kapelle. Untergebracht waren wir in dem 7 km entfernten Hotel "New Highway" in Mityana. Da in Uganda ungefähr Tag- und nachtgleiche ist, standen wir um 6 Uhr im Dunkeln auf und während der Abendandacht um 19 Uhr, wurde es auch ganz schnell dunkel und wer wollte konnte auch schon zu Bett gehen, oder Bericht schreiben, oder Fotos sortieren. Einige saßen immer noch etwas beisammen bei Kerzenlicht. Gleich am 1. Tag gab es kein Wasser und an anderen Tagen war der Strom weg. Dennoch kamen alle pünktlich zum Bus der um 6.30 Uhr im Hotelhof auf uns wartete. Jeder hatte eine Kerze oder Taschenlampe dabei. Als wir nach ½ Stunde Fahrt im College ankamen, erlebten wir den Sonnenaufgang, der sehr schnell geht. Das war dort auf dem Berg immer ein besonderes Erlebnis. In einer Astgabel auf einem Baum war eine Autofelge befestigt und einer schlug mit einem Metallstab daran, so dass es alle Schüler hörten, das war das Signal zum Unterrichtsbeginn. Nun will ich etwas beschreiben, was mich am nachhaltigsten beeindruckt hat: Unsere erste Arbeit vor dem Frühstück war, die Bausteine dort aufzuschichten, wo sie von den Maurern gebraucht wurden, das war an den Ecken, die wurden zuerst hochgemauert. Also warfen wir die 4kg schweren Steine von Hand zu Hand wortlos vom einen zum anderen. Dabei wurde es immer heller, es war aber noch frisch und wir auch, sodass das Arbeiten eine Lust war. Damit aber noch nicht genug, die nacheinander eintreffenden Schüler sangen in der Kapelle viele unsere bekannten Zionslieder. Als die Kapelle voll war, war es ein brausender Chor, die Sonne ging auf und wir taten ein gutes Werk. Ja, klangvoller werden die Engel im Himmel auch nicht singen.

Zum Frühstück war für uns etwas tiefer am Hang ein Zeltpavillon aufgebaut, wo wir von der Sonne geschützt essen konnten. Daneben war ebenso provisorisch extra für uns eine Küche eingerichtet. Die Wände waren 4 Schilfmatten und das Dach auch. Dort wurde nur für uns gekocht. Was in diesem spartanischen Verschlag für uns für Essen gezaubert wurde, ist kaum zu glauben.

Wir bekamen Kartoffeln, Matoke (Kochbananen), Reis Manjok, Jamwurzel, Möhren, Bohnen, Auberginen, Nudeln, Erdnuss-Soße. Also alles, was das Land hergab und zum Schluss konnte, wer wollte über alles noch gehackten Knoblauch bekommen. Als Nachtisch gab es Bananen, Ananas, Melonen und Mangos und Apfelsinen. Es hat allen geschmeckt und alle wurden satt, keinem wurde schlecht. Dafür haben wir am Schluss für Koch, Köchin und Helfer ein Präsent gesammelt. Die Schüler dagegen bekamen Ähnliches, aber lange nicht in dieser Auswahl. Dass es kein Fleisch gab, störte niemanden. Außerdem gab es das ja abends im Hotel. Meistens das gleiche: Kartoffeln, Matoke, Reis Hühnerbeine und Gemüse. Zum Nachtisch auch Melone und Ananas und Bananen und Apfelsinen. Einige Male auch Fisch.

Nun zu unserer Arbeit: Bis auf die Dachbinder, die ein Zimmermann von uns, der Otto, in der Regie hatte, haben wir gemörtelt, Erdarbeiten gemacht, Steine geschleppt. Die Fenster und Türstürze hat Norbert gemacht. Ja, selbst der warme Regen, den es auch an manchen Tagen gab, konnte niemanden wirklich von der Arbeit abhalten. Jeder tat was er konnte und wer eine Pause brauchte nahm er sie sich. Die meisten von uns, waren im Rentenalter und so ist es umso erstaunlicher, dass niemand schlapp gemacht hat, denn das Klima im Land am Äquator weiß nichts von dem Schnee und der Kälte aus der wir alle kamen. Wir haben uns sehr schnell an das Klima angepasst, was man vom Eingewöhnen zu Hause wieder nicht sagen konnte. Auch habe ich anfangs gedacht, wie wird das dein Rücken aushalten, denn wir haben ungefähr jeder 20 Tonnen Steine durch unsere Hände gehen lassen. Aber alles ging gut, es gab keine größeren Verletzungen, obwohl dort Arbeitschutz ein Fremdwort ist. So haben wir direkt neben dem Menschen, der Bruchsteine für das Fundament mit einem wuchtigen Hammer zerkleinerte, sie ihm praktisch unter dem Hammer weggeholt und über einen schwankenden Brettsteg ins Innere getragen.

Die Maurer waren Einheimische und froh, Arbeit zu haben. In unserem Reisepreis waren 350 Euro für Baumaterial enthalten. Es kamen jeden Tag neue Steine und der Fahrer staunte jedes Mal nicht schlecht, als der Steinhaufen schon wieder weggeschafft war.

Wir haben alle gut harmoniert, obwohl wir kein Wort der einheimischen Sprache verstanden, kamen wir alle gut miteinander aus. Wolfgang, der am besten Englisch konnte hat einen sehr guten Dienst geleistet. Im Gottesdienst wurde Einheimisch gepredigt, einer übersetzte es ins englische und der Wolfgang ins Deutsche. Am Ende, als es darum ging, die Dachbinder ohne Technik aufzustellen, konnte man Einheimisch, Deutsch und Englisch hören, wie beim Turmbau zu Babel, aber keiner lief weg, sondern wir vollendeten auf unerklärliche Weise unser Vorhaben und feierten gemeinsam Richtfest.

Zwischendurch fuhren wir noch für 4 Tage in den Norden des Landes. Wir machten Station im Murchison Nationalpark, wo die gleichnamigen Nilfälle sind, blieben mit dem Bus im Schlamm stecken, als es dunkel wurde und Regen einsetzte. Wir fuhren mit einem Boot auf dem Nil und sahen viele wilde Tiere.

Im Norden in der Provinz GULU haben wir in 2 Dörfern Saatgut und Werkzeuge an die Dorfbewohner verteilt. Diese Dinge wurden aus Spenden finanziert und sollen es den Menschen ermöglichen, für den Unterhalt ihrer Familien sorgen zu können. In diesem Gebiet haben viele Jahre Rebellen ihr Unwesen getrieben und die Bewohner aus ihren Dörfern vertrieben. Die Rebellen sind jetzt außer Landes und die Menschen kehren langsam in ihre Dörfer zurück, die Männer fehlen und die Hütten sind zerfallen. In ihren Augen aber sahen wir wieder neuen Lebensmut. Überhaupt fanden wir sehr viel Armut im Land, aber die Menschen machten uns keinen unglücklichen Eindruck. Wir gaben ihnen keinen Fisch, sondern eine Angel, so bleibt ihre Würde gewahrt.

Im Beisein des Bürgermeisters, der alle auf einer Liste hatte und auch dem Verbandsvorsteher, ging alles ganz geordnet zu, jeder kam an die Reihe und bekam das Gleiche, dann wurde ein Gebet gesprochen. Eine Frau 15 Jahre, mit einem 7 Monate alten Baby zeigte Marion und mir ihre Hütte in der Nähe. So gut waren nicht alle ausgestattet. Sie hatte einen Mann uns erst 1 Kind. Sie war sogar verschließbar, das war etwas Besonderes. Die Wände waren mit Zeitungspapier tapeziert, die Sachen hingen an der Decke, es waren Stühle für Gäste vorhanden, eine Kochstelle und Wasserkanister, das ist hier das Wichtigste. Heute noch holen die Frauen, oft von weither das kostbare Lebenswasser mit ihren kleinen Kindern auf dem Rücken. Sie sind alle freundlich und winken uns zu, wenn wir mit dem Bus vorbeifahren, oder auf ihren Märkten anhalten um uns mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Selbst auf dem letzten Weg zum College, es ist wahrlich kaum als Straße zu bezeichnen, wenn der Bus ganz langsam fahren muss, kommen die Kinder angerannt rufen ganz aufgeregt: "Musungu", das heißt einfach Weiße und möchten Sweetis, wovon wir in den 3 Wochen auch kiloweise verteilt haben. Das ist der Kinder kleines Glück, Spielsachen haben sie auch keine, so wie wir sie kennen. Aber sie sind nicht unglücklich! All solche Dinge, wie Kleidung, Kuscheltiere haben wir verteilt und in die fast leeren Koffer das wunderbare Obst mitgenommen.

Beeindruckend war auch noch zum Schluss, als wir unsere "Bausachen", Handschuhe, Schuhe und Hosen vor Ort ließen und die Bauarbeiter, die Schuhgrößen, wie bei Aschenputtel prüften, welche denn nun am besten passen? Einige von uns sind in Socken oder barfuss zum Hotel gefahren.

Am letzten Sabbat haben wir dann auch noch Bibeln verteilen können. Das war eine sehr feierliche Veranstaltung in der Kapelle. Viele erhielten ihre erste eigene Bibel. Auch auf dem Weg in den Norden konnten wir eine Gemeinde mit Bibeln versorgen. Eleazzar, der Schulleiter stellte mir auch 2 Jungen vor, denen wir vor 2 Jahren eine dringende Operation ermöglicht hatten. Es war eine Freude, diese jungen glücklichen Menschen zu sehen. Viele Kinder sind Waisen und auch sie möchten gerne eine gute Schulbildung erhalten.

Das College kostet mit Unterkunft und Verpflegung im Jahr 150 Euro. Das ist für unsere Verhältnisse vergleichsweise sehr wenig, bewirkt aber sehr viel! Ja, damit der Bericht nicht zu lang wird, möchte ich hier schließen und freue mich mit den anderen auf den nächsten Einsatz.



  
Leuchtturm - Hilfe für Menschen in Not e.V.